Orientierte Forschung
Nationale Forschungsprogramme (NFP)
In Wissenschaftskreisen wurde erkannt, dass es immer wichtiger wird, die Relevanz und Nutzbarkeit der wissenschaftlichen Forschung in die Öffentlichkeit einzubringen. Die innovativen Befunde und technologischen Fortschritte der Wissenschaft müssen verstärkt in Wohlfahrtsprogramme integriert werden und haben somit direkte Konsequenzen und bieten Lösungen für gesellschaftliche Problemstellungen. .Dies ist zu einem der wichtigsten Hauptziele der Nationalen Forschungsprogramme (NFP) geworden. Sie leisten wissenschaftlich fundierte Beiträge zur Lösung dringender Probleme von nationaler Bedeutung. Die Themen werden vom Bundesrat vorgegeben. Die Auseinandersetzung mit wichtigen Gegenwartsproblemen erfordert meist interdisziplinäre Forschungsansätze und einen direkten Bezug der Forschenden zur Praxis. NFP dauern 4 bis 5 Jahre und sind mit 5 bis 20 Millionen Franken dotiert. Die NFP zeichnen sich durch folgende Merkmale aus: Sie sind problemorientiert; sie haben eine inter- und transdiziplinäre Ausrichtung; in ihnen werden einzelne Forschungsprojekte und -gruppen im Hinblick auf ein definiertes Gesamtziel hin koordiniert; die Umsetzung der Resultate hat einen hohen Stellenwert.
Das erste dieser Nationalen Forschungsprogramme (1978-1982) war dem Thema „Prophylaxe der Herz- und Kreislauferkrankungen“ gewidmet. Bis dahin konzentrierte die Wissenschaft ihre Anstrengungen vor allem darauf, die Therapie der an Herzbeschwerden leidenden Personengruppen zu verbessern. Seit die ersten Testergebnisse der Forschergruppe in die Debatte einflossen, verschob sich das Interesse eindeutig in Richtung Prävention.
Heute ist es mittlerweile ein Gemeinplatz, dass die beste Medizin zur Vorbeugung gegen den Herzinfarkt aus einer gesunden Lebensführung besteht. Obwohl das Sporttreiben oder die Einnahme gesunder, fettarmer Nahrung erst seit relativ kurzer Zeit in der Gesellschaft als gesundheitsfördernde Präventivmassnahmen anerkannt sind, hat dieses erste Schweizer Forschungsprogramm des SNF doch einen maßgeblichen Beitrag zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit geleistet.
Die Folgerungen, die dieses erste Forschungsprojekt zog, konnten nicht einfacher sein: Um das Herzinfarktrisiko zu reduzieren, brauchte man bloß die betroffene Risikogruppe zu einem gesunderen Leben zu ermutigen.
Nationale Forschungsschwerpunkte (NFS)
2001 wurden die Nationalen Forschungsschwerpunkte ins Leben gerufen. Sie fördern langfristig angelegte Forschungsvorhaben zu Themen von strategischer Bedeutung für die Zukunft der schweizerischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Das Management der einzelnen NFS ist jeweils an einer Hochschule oder einer anderen profilierten Forschungsinstitution angesiedelt.
Neben den Forschungsgruppen dieser Heiminstitution verfügt ein NFS auch über ein Netzwerk, in das weitere Teams aus der ganzen Schweiz eingebunden sind. Drei Hauptaspekte prägen die NFS: exzellente und international sichtbare Forschung, Wissens- und Technologietransfer sowie Ausbildung und Frauenförderung. Zudem sollen die Forschungsschwerpunkte zur besseren Strukturierung der schweizerischen Forschungslandschaft beitragen.
Schwerpunktprogramme (SPP) - Abgeschlossen
1991 wurde die ordentliche Programmförderung um vier so genannte Schwerpunktprogramme (SPP) erweitert, die sich vordringlich mit den zentralen, gesellschaftspolitisch relevanten Bereichen Mensch, Umwelt und Technik befassten. Die Theman waren „SPP Biotech“, „SPP Umwelt“, „SPP Zukunft Schweiz“ und „SPP Informatik“. Im Jahr 2003 wurde das letzte SPP abgeschlossen.
Eines dieser SPP, das SPP Biotech, war im Wesentlichen ein Austauschprogramm zwischen Universitäten und Unternehmen. Die Firmen investierten in die Forschung, um sich mittel- und längerfristig am wirtschaftlichen Gewinn zukunftsträchtiger Ideen und Lösungen zu beteiligen.
Ein exemplarischer Fall für diese Symbiose von Wirtschaft und Wissenschaft ist die Erfindung des Testverfahrens zur Schnelldiagnose von BSE-verdächtigten Rindern. 1996 begann die Abteilung SPP Biotech des SNF die Entwicklung solcher Schnelltests zu fördern.
Im Jahr darauf gelang es den Wissenschaftern ihre Erfindung zu kapitalisieren und sie in ein kommerzielles Produkt umzuwandeln, was ihnen schließlich ermöglichte, ihre eigene Spezialfirma zu gründen: Prionics. Das neu entstandene Unternehmen fand im Pharmakonzern Roche den idealen Vermarktungspartner, worauf der Test nach marktwirtschaftlichen Kriterien verbessert und anwenderfreundlicher gemacht wurde.
Als die Europäische Union an breiter Front gegen die Ausbreitung der BSE-Krankheit ankämpfte, stieg dieser Schnelltest rasch zu einem der gefragtesten Produkte der Veterinärmedizin auf. Die Zusammenarbeit mit Roche ermöglichte Prionics schließlich, sich als Biotech-Firma auf dem europäischen Binnenmarkt zu etablieren.