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Glomar Challenger

Glomar Challenger© University of Florida

Strasse von Gibraltar

Strasse von Gibraltar© Nasa

Was wäre die Schweiz ohne Berge? Es ist offensichtlich sehr schwer, sich eine Schweiz ohne ihre so typische Berglandschaft vorzustellen. Noch merkwürdiger aber ist die Vorstellung einer Schweiz unter Wasser.

Obschon es vielleicht eigenartig klingen mag, das Land, das wir heute Schweiz nennen, war tatsächlich einmal der Grund eines Ozeans. Doch wie kam es, dass dieses Land auf einmal Teil einer der größten und massivsten Bergformationen Europas werden konnte?

Schweizer Wissenschafter wissen bereits seit langem, dass die Geomasse der Alpenkette ozeanischen Ursprungs ist. Wie sonst soll man die fossilen Funde im Alpengestein plausibel deuten? Dank der großzügigen Unterstützung des Pilotprojekts «Glomar Challenger» durch den Nationalfonds, bekamen Schweizer Forscher die einmalige Gelegenheit, ihre Thesen und Theorien über die geologische Formationsgeschichte der Alpen zu überprüfen.

Am internationalen Projekt «Glomar Challenger», benannt nach dem gleichnamigen Tiefseebohrschiff, beteiligten sich unter anderem 27 Schweizer Wissenschafter aus Zürich, Bern, Basel und Genf. Dem Forschungsteam gelang eine Tiefseebohrung auf über 750 Metern unter dem Meeresboden. Nach einer gründlichen Analyse und Altersbestimmung der Bodenproben hatten die Forscher schliesslich alle notwendigen Informationen gesammelt, um auch die Details dieses geodynamischen Formationsprozesses zu begreifen.

Des Rätsels Lösung

Dank den Unterseebohrungen konnte man die geologische Formationsgeschichte rekonstruieren: Der afrikanische Kontinent war ursprünglich Teil eines Riesenkontinents und mit der amerikanischen Kontinentalplatte verbunden. Mit der Zeit löste sich jedoch die afrikanische Platte vom Riesenkontinent ab und verschob sich allmählich in Richtung europäischer Subkontinent.

Als Folge des kontinuierlichen Kollisionsdrucks der afrikanischen auf die eurasische Kontinentalplatte wurde an deren Reibungsflächen die Erdkruste vertikal nach oben gekrümmt. Die Alpen sind das geodynamische Ergebnis dieser Kollision.

Als das Mittelmeer eine Wüste war

Das Langzeit-Tiefseebohrprojekt (1968-1983) hat dazu beigetragen, die geologische Herkunft der Alpen und weitere ungelöste Fragen im Zusammenhang mit der Entstehungsgeschichte des Mittelmeeres zu lösen.

Die Geschichte des Mittelmeeres war lange Zeit ein großes Mysterium für die Wissenschaft. Bereits vor der Durchführung des Ozeanprojekts hatten Bodenuntersuchungen auf dem Festland gezeigt, dass das Mittelmeer vor seiner Wiederkehr und Expansion vor ca. 5,5 Millionen Jahren eine Rückzugsphase erfahren hatte, die für viele Schweizer Geologen rätselhaft war. Die Bohrungen im Mittelmeerboden lieferten schließlich die Lösung und halfen den Forschern dabei, ein Gesamtbild der geologischen Evolutionsgeschichte des Mediterranen Raumes zu entwerfen.

Die dicken Salzschichten, die man im Bohrmaterial gefunden hatte, waren ein sensationeller Fund und zeugten eindeutig von einer massiven Verdunstung, die das Mittelmeer komplett austrocknete.

Ursache dieser Austrocknung war - und dies konnte man nun anhand der Befunde eindeutig belegen - die Verschiebung der Kontinentalplatten. Mit seiner unaufhörlichen Verschiebung gegen Norden verschloss Afrika den Zugang des Mittelmeeres zum atlantischen Ozean an der Meerenge von Gibraltar. Damit versiegte der Zustrom von Meerwasser aus dem Atlantik, was innerhalb von ca. 1'000 Jahren zur totalen Verwüstung führte.

Nach weiteren 100'000 Jahren verwandelte sich das wüstenartige Mittelmeerbecken durch eine neuerliche Öffnung der Meerenge von Gibraltar schrittweise wieder zu jenem Meer, das wir heute kennen.