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Wissenschaft

Geistes- und Sozialwissenschaften

Die Psychologen Jean Piaget (1896-1980) und Bärbel Inhelder (1913-1997) sind zwei der herausragenden Wissenschafter/innen, die auf diesem Gebiet vom SNF unterstützt wurden. Ihre psychologischen Grundlagenarbeiten über die Intelligenz und Erkenntnisfähigkeit von Kindern und Jugendlichen lieferten wichtige Erkenntnisse für die Erziehungswissenschaft.

Piaget und Inhelder fanden heraus, dass sich Verstand und Denken bei Kindern in verschiedenen Phasen ihres Heranwachsens gewissermaßen etappenweise fortentwickeln. Die Rückschlüsse, die sie aus ihren Untersuchungen zogen, erlaubten es, vier Hauptentwicklungsstufen der Kindheitspsychologie zu identifizieren. Am Ende dieses Entwicklungsprozesses, das mit ca. 15 Jahren erreicht wird, ist das Kind praktisch fähig, wie ein Erwachsener logisch-abstrakt zu denken. Es ist zu einem so genannten «epistemischen Subjekt» herangereift, das prinzipiell fähig ist, Wissenschaft zu betreiben.

Das Kuckuck-Spiel

Im ersten Stadium der kognitiven Entwicklung des Kindes, der so genannten «sensomotorische Phase» (Geburt bis 2. Altersjahr), sind Kinder nicht fähig, Personen oder Dinge bewusst wahrzunehmen, die sie nicht selbst vor Augen haben. Deshalb können Eltern solange mit ihren Kleinkindern Kuckuck spielen, bis diese das zweite Altersjahr erreicht haben. Beim Kuckuck-Spiel versteckt der Erwachsene sein Gesicht unter den Händen. Das Kind kann diese Täuschung als solche aber nicht entlarven und meint, dass sein Gegenüber aufgehört hat zu existieren. Wird das Gesicht wieder freigelegt, dann glaubt das Kind, eine wundersame Erscheinung zu beobachten.

Während der «präoperativen Phase» (2 bis 7 Jahre) entwickeln die Kinder die Denkkapazität, sich unter einem bestimmten, für sie gegenwärtigen Objekt ein anderes, nicht vorhandenes vorzustellen. Sie können beispielsweise behaupten, dass ihr Spielzeugauto über eine Brücke fährt, obschon es sich in Wirklichkeit vielleicht nur über die Armlehne eines Sofas fortbewegt.

Dank dieser neuen kognitiven Qualität - nämlich sich Dinge vorzustellen, die man selbst nicht sehen kann - erwerben die Kinder während dieses Lebensabschnittes ihre Sprachfertigkeiten. Sie fangen damit an, die Dinge beim Namen zu nennen: das Wort wird zum Bezugspunkt für das abwesende Objekt.

Doch Kinder zwischen zwei und sieben Jahren sind immer noch sehr egozentrisch. Das ist so, weil es schwierig für sie ist, sich in die Lage eines anderen Menschen zu versetzen. Dreijährige Kinder verstecken oftmals ihr Gesicht, wenn sie in Schwierigkeiten geraten. Die Logik, die dahinter steckt, ist recht simpel: "Wenn ich sie nicht sehen kann, dann können sie mich auch nicht sehen. Ich bin in Sicherheit!"

In der «konkret operationalen Phase» (7 bis 11 Jahre) können die Kinder die Dimensionen von Zeit und Raum besser erfassen. Mit zwölf Jahren schließlich beginnt die letzte Phase ihrer Entwicklung, die «formal operationale Phase». Die Anwendung von logischen und komplexen Strategien zur Lösung von Alltagsproblemen kommt in diesem letzten Abschnitt ihrer psychologischen Entwicklung immer mehr zum Tragen bis sie endlich (im Alter von 15 Jahren) die Schwelle zum Erwachsensein überschreiten.