Eine lange Tradition
Alfred-Escher-Denkmal, Zürich. Alfred Escher gilt als Mitbegründer der modernen Schweiz. Escher, 1819 in Zürich geboren, stammte aus einer einflussreichen Familie. Mit 25 Jahren wurde er in den Grossen Rat des Kantons Zürich gewählt. Er machte eine steile politische Karriere und wurde 1848 in den Schweizer Nationalrat gewählt. Seine wirtschaftliche Karriere war nicht minder beeindruckend: 1853 war er Mitbegründer der Nordostbahn, 1855 des Polytechnikums, der heutigen Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH, und 1856 der Schweizerischen Kreditanstalt SKA, der heutigen Grossbank Credit Suisse. Die SKA war die erste grosse Aktienbank für Industrie und Handel in der Schweiz. Ab den 1860er Jahren engagierte sich Escher für den Bau der Gotthardbahn. Von 1872 bis 1878 leitete er den Bau der Gotthardbahn, sein wohl grösstes Werk. Im Alter von 63 Jahren verstarb Escher 1882. © picswiss.ch
In der Schweiz haben Bankgeschäfte eine lange Tradition, die bis auf das Ende der Renaissance zurückgeht. Dank ihrer Lage im Herzen Europas und einem wirtschaftlich und politisch stabilen Umfeld vermochte sich die Schweiz im Verlauf der Jahrhunderte eine Stellung als internationaler Finanzplatz zu erarbeiten, der für seine grosse Kompetenz, aber auch seine Diskretion anerkannt ist.
Im Verlaufe des 17. Jahrhunderts spezialisierten sich Schweizer Händler nach und nach in der Anlage von riesigen privaten und öffentlichen Vermögen im Ausland, die sich durch Erträge aus fremden Diensten, Protoindustrie und Handel gebildet hatten. Bald verfügten sie in allen grossen europäischen Städten über gute Geschäftsbeziehungen und über ein solides Netz für den internationalen Zahlungsverkehr, das die Grundlage für das Banksystem bilden sollte. Zu den treuesten Kunden dieser Privatbankiers gehörten die französischen Könige mit ihrem beinahe unersättlichen Finanzierungsbedarf. Von Anfang an war diese Beziehung von der Forderung nach absoluter Diskretion geprägt: Die französischen Könige konnten unmöglich eingestehen, dass sie sich als Katholiken bei protestantischen Häretikern Geld ausliehen. So entstanden die Grundlagen für das, was später mit dem Begriff Bankkundengeheimnis bezeichnet werden sollte, namentlich die Wahrung des Schutzes der Privatsphäre im Finanzbereich.
Als Konsequenz der politischen Turbulenzen im Europa des 18. Jahrhunderts wurde die Schweiz und insbesondere Genf definitiv zu einem finanziellen Zufluchtsort für jene, die den Folgen der Revolutionen zu entkommen suchten. Es heisst, dass sogar Napoleon I. Kunde der Schweizer Banken war. Dank der Ansammlung von Kapital gelangten die Schweizer Banken rasch an die Spitze der internationalen Finanzszene. So waren sie massgeblich an der Finanzierung der industriellen Revolution beteiligt. Im 19. Jahrhundert entstanden auch die ersten Geschäfts- und Industriebanken.
Die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert läutete eine neue Periode des Wohlstands ein. Durch die allgemeine Erhöhung der Steuerlast in mehreren europäischen Ländern floss Kapital in die Schweizer Banken, das einem allzu gierigen Fiskus zu entkommen suchte. Die traditionelle Diskretion der Schweizer Bankiers wurde so zu einem Plus im internationalen Wettbewerb.
Mit der Weltwirtschaftskrise von 1929 waren die europäischen Länder bemüht, die Steuerflucht einzudämmen, indem sie Druck auf die Schweiz ausübten. Doch dieses schwierige Umfeld vermochte den Schweizer Finanzplatz nicht zu schwächen und im Jahre 1934 beschloss das Schweizer Parlament, das Bankgeheimnis im Gesetz zu verankern.
Die beiden Weltkriege ermöglichten es dem Finanzplatz Schweiz, seine herausragende Stellung im Bereich Vermögensverwaltung definitiv zu festigen. Da sich die Schweiz an keinem der beiden Weltkriege beteiligt hatte, gelang es ihr, mit einer der stärksten Währungen weltweit, einem massvollen Steuersystem und einem für seine Stabilität bekannten politischen System aus den Kriegsjahren hervorzugehen. Neben dem Schutz der Privatsphäre im Finanzbereich trugen diese Faktoren dazu bei, den Ruf der Schweiz als sicheren Ort für internationales Kapital zu begründen. Mit diesen gewichtigen Vorteilen gegenüber der ausländischen Konkurrenz erfuhr der Finanzplatz Schweiz während der gesamten zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein sehr starkes Wachstum.
Für das gute Funktionieren des Finanzsystems war schon immer ein qualitativ gutes Umfeld ein entscheidender Faktor. Die nachhaltige Stabilität der Schweiz sowohl in politischer als auch makroökonomischer Hinsicht sowie die lange Tradition der Rechtssicherheit waren wertvolle Pluspunkte für den Finanzplatz Schweiz. Doch zweifellos beruht der Erfolg der Schweizer Banken auch auf tiefer liegenden Faktoren, die verbunden sind mit dem liberalen Denken der meisten Schweizer in wirtschaftlichen und sozialen Fragen, ihrer kompromisslosen Achtung gegenüber dem Privateigentum und ihrer besonderen Beziehung zum Geld, geprägt von Bescheidenheit und Diskretion.
Externe Links
- Banken Historisches Lexikon der Schweiz
- Finanzplatz Historisches Lexikon der Schweiz
- Geld, Banken, Kredit 1850 – 1936 Wirtschafts- und Sozialgeschichte online, Universität Zürich
