Atomenergie
Die Atom- oder Kernenergie ist nach der Wasserkraft die zweit wichtigste Stromlieferantin in der Schweiz. Die fünf Atomkraftwerke (AKW) liefern rund 33% des Bedarfs an Elektrizität.
Die Atomenergie war in der Schweiz immer umstritten. Die Ablehnung der Atomkraft war jedoch nicht immer gleich stark: Erstaunlicherweise nahm die Ablehnung der Atomkraft nicht unmittelbar nach dem Unfall in Tschernobyl sondern erst Ende der 80er Jahre zu. 1990 stimmte eine Mehrzahl der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger für die so genannte Moratoriums-Initiative, welche einen 10-jährigen Baustopp für AKWs verlangte. Nach dieser Abstimmung verlor die Atomkraft für viele Stimmberechtigte etwas von ihrem 'Schrecken': 1992 hielten lediglich 45% der Schweizerinnen und Schweizer die Risiken der Atomkraft für untragbar, neun Jahre später waren es jedoch bereits wieder 76%.
Die sinkende Akzeptanz der Atomenergie hat möglicherweise auch damit zu tun, dass die Endlagerung der radioaktiven Abfälle noch nicht geklärt ist. Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra), die seit Jahren Abklärungen für die sichere Lagerung radioaktive Abfälle durchführt, stösst bei ihrer Arbeit nicht selten auf Widerstand. Momentan werden die in Schweizer AKWs abgebrannten Brennstäbe in Sellafield (Grossbritannien) oder La Hague (Frankreich) zu wieder einsetzbaren Elementen aufbereitet. Die Verträge mit den Wiederaufbereitungsanlagen laufen jedoch demnächst aus und werden sehr wahrscheinlich auch nicht erneuert. Die AKWs werden deshalb ihre verbrauchten Elemente künftig direkt in einem Zwischenlager (Zwilag) - etwa 50 km von Zürich entfernt - deponieren, wo diese während 40 Jahren auskühlen, bevor sie dann in ein Endlager - dessen Standort noch nicht feststeht - überführt werden können. Das Zwischenlager kann auch den hoch radioaktiven Müll aufnehmen, der bei der Wiederaufbereitung der 'schweizerischen' Brennstäbe in Sellafield und La Hague entsteht.
Das schweizerische Strahlenschutzgesetz schreibt vor, dass der ganze radioaktive Abfall, der hierzulande produziert wird, auch in der Schweiz endgelagert werden sollte. Längerfristig ist es jedoch möglich, dass es zwei bis drei gemeinsame Endlager für alle in Europa produzierten radioaktiven Abfälle geben wird, wobei noch offen ist, in welchen Ländern dies sein wird.
Für die Sicherheit der Endlager wird einiges unternommen. So gibt es beispielsweise im Berner Oberland 450m im Berg ein Felslabor, in dem Forschende aus der Schweiz und dem Ausland u.a. die Eigenschaften des Gesteins untersuchen, um die optimale Umgebung für die Lagerung von radioaktivem Abfall zu bestimmen.
