Bedrohungen für den Schweizer Wald
In Europa sind etwa ein Viertel aller Wälder beschädigt oder krank. Da weder Luftverschmutzung noch Krankheiten an den Grenzen Halt machen, können nur internationale Bestimmungen die Wälder wirksam schützen.
Kronenverlichtung, Saurer Regen
In den vergangenen 20 Jahren haben sich viele Baumkronen verlichtet. Bis zum Jahr 2001 hatten etwa ein Fünftel aller Bäume 25% ihrer Blätter oder Nadeln verloren. Nadelbäume leiden stärker unter der Kronenverlichtung als Laubbäume, was längerfristig die Zusammensetzung der Wälder beeinflussen wird.
Während Wissenschafter früher der Ansicht waren, dass einzig saurer Regen für die Kronenverlichtung verantwortlich ist, geht man heute davon aus, dass die Ursachen komplizierter sind. Der Verlust von Blättern und Nadeln ist ein Zeichen von Stress und hängt u.a. mit dem Alter sowie der Wasser- und Nährstoffversorgung der Bäume zusammen.
Bei ihrer Untersuchung der Schäden nach dem Orkan "Lothar" (26. Dezember 1999) stellten Wissenschafter fest, dass Bäume, die in sauerer Erde wachsen, viel weniger standhaft sind als Bäume in normalem Waldboden. Weiter fanden sie heraus, dass Buchen mit hohem Nitratgehalt in den Blättern anfälliger sind für Sturmschäden als solche mit niedrigem Nitratgehalt.
Untersuchungen von 2002 haben gezeigt, dass der Nebel viel saurer ist als ursprünglich angenommen und dass der Nitratgehalt gestiegen ist.
Borkenkäfer
Ein kleiner, fünf Millimeter langer Käfer hat seit dem Sturm Lothar grosse Schäden angerichtet. Unter normalen Umständen bedeuten Borkenkäfer keine Gefahr für den Wald: sie legen ihre Eier in totes Holz und ernähren sich von schwachen oder bereits absterbenden Bäumen, indem sie sich unter der Rinde hindurchfressen. Durch natürliche Feinde wird ihre Anzahl unter normalen Umständen kontrolliert.
Nach Lothar waren die Umstände jedoch alles andere als normal: die Borkenkäfer fanden idealste Bedingungen zur Vermehrung. Dies führte schliesslich dazu, dass die Käfer auch gesunde Bäume angriffen, um genügend Nahrung zu finden. Sobald ein Baum jedoch vom Borkenkäfer befallen ist, muss er gefällt werden.
2001 fielen 1,36 Millionen Kubikmeter ursprünglich gesundes Holz dem Borkenkäfer zum Opfer. 2002 ging der Borkenkäferbefall etwas zurück, der heisse Sommer 2003 führte jedoch dazu, dass die Bäume sehr viel Feuchtigkeit verloren und dadurch wieder anfälliger wurden. Dies führte dazu, dass die Anzahl vom Borkenkäfer befallener Bäume in diesem Jahr wieder anstieg.
Viele Wälder befinden sich in unzugänglichen Berggebieten, in denen es fast unmöglich ist, totes Holz (ideale Brutstätte für Borkenkäfer) wegzuschaffen. Da die Borkenkäfer warmes und feuchtes Klima bevorzugen, ist eine überdurchschnittliche Verbreitung in den Bergen eher unwahrscheinlich.
Lärchenwickler (Zeiraphera diniana)
Der Lärchenwickler ist eine Motte, die in den Engadiner Wäldern (Kanton Graubünden) alle 8-9 Jahre grosse Verwüstungen anrichtet. Die Motte befällt hauptsächlich Lärchen, Arven und Rottannen. Ihre Raupen fressen die jungen Nadeln, weshalb die Photosynthese nur noch eingeschränkt stattfinden kann und das Wachstum der Bäume stagniert.Borkenkäfer-Weibchen bei der Ei-Ablage


