Wiederansiedlung ausgestorbener Wildtiere
Die Wiederansiedlung ausgestorbener Tierarten geschieht nicht immer zur Freude der Bevölkerung, auch wenn dies im Rahmen von wissenschaftlich begleiteten Projekten erfolgt: Die Wiederansiedlung des eurasischen Luchses (Lynx lynx) im Nordosten der Schweiz – zwischen 1971 und 1975 wurden offiziell zehn Tiere angesiedelt - löst nach wie vor teilweise heftige Kontroversen aus.
Weitaus weniger kontrovers war die Wiederansiedlung des Bartgeiers (Gypaetus Barbatus), welcher gegen Ende des 19. Jahrhunderts aus der Schweiz verschwand. Die ersten zoogeborenen Greifvögel wurden 1991 im Schweizerischen Nationalpark ausgewildert. Dies war Teil eines 1978 gestarteten internationalen Projekts zur Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen. Obwohl einige Bartgeier-Paare bereits erfolgreich Nachwuchs bilden, müssen zur Sicherung der Population nach wie vor weitere Tiere angesiedelt werden.
Ein grosser Erfolg, nicht zuletzt auch bei der Bevölkerung, war die Wiederansiedlung des Steinbocks (Capra ibex) in den Schweizer Alpen im Jahr 1906. Diese erfolgte allerdings nicht im Rahmen eines wissenschaftlich begleiteten Projekts: Zwei Jungtiere wurden illegal über die Grenze aus Italien geschmuggelt, nachdem sich der italienische König Viktor Emanuel II. nicht nur geweigert hatte, der Schweiz einige Tiere zu verkaufen, sondern diese zudem noch mit einem Exportverbot belegt hatte. Weitere Tiere wurden in der Folge erworben, ebenfalls auf illegalem Weg. Heute, 100 Jahre später, leben 14'000 Steinböcke in den Schweizer Alpen. In jüngster Zeit gibt es lokale Anzeichen eines Populationsrückgangs, dessen Ursachen noch nicht geklärt sind; sie werden zurzeit von Spezialisten untersucht.
Zwei grosse Raubtiere haben sich in der Schweiz sozusagen selbst wiedereingeführt: Der Wolf (Lutra lutra ), welcher Mitte des 19. Jahrhunderts in der Schweiz ausgerottet wurde, taucht seit rund 10 Jahren vereinzelt wieder auf. Die Tiere stammen aus dem benachbarten Italien. Die Besiedelung geschieht gemäss jüngeren Erfahrungen in der Schweiz und im Ausland in drei Phasen; nach den Jungwölfen folgen Weibchen und es kommt zur Fortpflanzung. Das "Konzept Wolf" von Bund und Kantonen aus dem Jahr 2004, welches für Mensch und Tier lebbare Rahmenbedingungen erarbeitet hat, wurde daher kürzlich revidiert.
Nachdem der letzte Bär der Schweiz 1904 geschossen wurde,verursachte das Erscheinen eines Braunbären (Ursus arctos) 2005 im Kanton Graubünden gehörige Unruhe. In der Folge überquerte das Tier erneut die Grenze und im September des gleichen Jahres verliefen sich sämtliche Spuren, so dass Spezialisten davon ausgehen, dass es verstorben ist. Zwei junge Bären tauchten 2007, abermals im Kanton Graubünden, wieder auf. Seit Juli 2006 hat die Schweiz ein Konzept zum Umgang mit Bären. Das "Konzept Bär" basiert auf der Überzeugung, dass Bären neben den Menschen in der Schweiz existieren können.
Externe Links
- Wildtiere von A - Z Bundesamt für Umwelt BAFU
- Informationsstelle Wildtiere Wildtier Schweiz, Universität Zürich
- KORA - Schweizer Forschungsprojekt Raubtiere Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz KORA
- Die Stiftung Pro Bartgeier setzt sich – zusammen mit verschiedenen Partnern in einem gross angelegten, internationalen Wiederansiedlungsprojekt dafür ein, dem Bartgeier seinen angestammten, alpinen Lebensraum zurückzugeben. Stiftung Pro Bartgeier Schweiz
- Der Lux Bundesamt für Umwelt BUWAL in Zusammenarbeit mit Wildtier Schweiz, KORA sowie dem Bundesamt für Umwelt BAFU
- Wanderausstellung des Naturmuseums St.Gallen; für Lehrpersonen ist eine Wegleitung mit Hintergrundinformationen erhältlich Naturmuseum St. Gallen

