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Watch Valley: das Uhrental

Goldene Uhr in Form eines Vogelkäfigs, die Zeiger sind unten am Boden angebracht. (in neuem Fenster)

Diese Uhr in Form eines Singvogelkäfig hat eine Serinette (kleine Drehorgel) mit 12 Zinnpfeifen und 7 Melodien. Die Uhr besitzt zudem eine Spindelhemmung, Sekundenzeiger und Viertelstunden-Schlagwerk. Der Hersteller ist unbekannt, vermutlich aus La Chaux-de-Fonds um 1790.© Swiss National Museum LM-71670

Schild einer Uhrmacherei an einer Hausfassade in La Chaux-de-Fonds (in neuem Fenster)

Schild bei einer Uhrmacherei in La Chaux-de-Fonds: Die Unternehmung wurde 1790 gegründet. La Chaux-de-Fonds verdankt seine starke Entwicklung im 19. Jahrhundert der Uhrenindustrie. Die meisten Arbeiter führten die Arbeiten zu Hause aus.© Service d'urbanisme La Chaux-de-Fonds

Die Schweizer Uhrenindustrie konzentriert sich auf den Jurabogen zwischen Genf im Süden und Basel im Norden. In der Tourismus-Terminologie wird dieses Gebiet auch Watch Valley (Tal der Uhren) genannt.

Genf

In der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde in Genf mit der Herstellung von Uhren begonnen. Nachdem der Genfer Reformator Jean Calvin 1541 das Tragen von Schmuck verboten hatte, wurden die Goldschmiede gezwungen, etwas Neues zu produzieren und begannen, sich der Herstellung von Uhren zu widmen.

Calvin selber legte sehr viel Wert auf Pünktlichkeit. Er ging sogar so weit, dass Menschen, die zu spät zur Kirche kamen oder die Kirche zu früh verliessen, bestraft wurden. Im Jahr 1561 wurden an einigen strategisch wichtigen Orten in Genf Uhren installiert, damit niemand mehr eine Ausrede für allfällige Unpünktlichkeiten hatte.

Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts war Genf bereits bekannt für seine qualitativ hochstehenden Uhren. 1601 wurde die Genfer Uhrmacherzunft gegründet.

Einen weiteren Aufschwung erlebte das Uhrmachergewerbe 1685, als Louis XIV mit dem Edikt von Nantes die Freiheiten der französischen Protestanten massiv einschränkte und viele von ihnen das Land verliessen. Einige dieser Religionsflüchtlinge liessen sich in der protestantischen Hochburg Genf nieder, was für die Wirtschaft ein Gewinn war: unter den Immigranten befanden sich viele begabte Handwerker, darunter auch Uhrmacher.

Zu den Genfer Uhrmacherfamilien gehörten der Urgrossvater, Grossvater und Vater des Aufklärers Jean-Jacques Rousseau, der von vertriebenen französischen Protestanten abstammt.

Heimarbeit im Vallée de Joux

Von Genf aus verbreitete sich die Uhrenindustrie Richtung Norden und Osten. Die erste Uhrmacherwerkstätte wurde 1740 im Vallée de Joux eröffnet. Dieses Gebiet, das 1'000 m über Meer liegt, war im Winter von der Umwelt abgeschnitten, und das Uhrmachergewerbe bedeutete für die Bauern eine äusserst willkommene Einnahmequelle während der Zeit, in der auf den Feldern keine Arbeit zu verrichten war.

Vor der Industrialisierung war die Heimarbeit weit verbreitet. Vor allem die Textilindustrie beschäftigte viele Heimarbeiterinnen und Heimarbeiter. Das Rohmaterial wurde nach Hause geliefert, und die fertigen Produkte auch dort wieder abgeholt. Die Uhrenindustrie folgte dem Beispiel der Textilindustrie und überflügelte diese bald, denn die Teile, die für die Uhrenindustrie geliefert und abgeholt werden mussten, waren klein und leicht.

Maschinen

Nicht nur die Uhrenindustrie sondern auch die Maschinenindustrie bot - und bietet bis heute - im 'Uhrental' Arbeit an.

Einige Erzeugnisse aus dem Watch Valley haben es zu Marktführern im Bereich verschiedener Nischenprodukte gebracht. Vallorbe z.B. rühmt sich, die Welthauptstadt für Präzisionsfeilen zu sein, und Moutier ist bekannt für seine Drehautomaten mit beweglichem Spindelstock und Kurvensteuerung, welche bereits 1880 zur Revolutionierung der Uhrenherstellung beitrugen.

Eine Uhr enthält eine Menge von Einzelteilen, die auch produziert werden müssen. In der Ajoie rund um Pruntrut am nördlichen Rand des uhrenproduzierenden Gebiets werden vorwiegend spezielle Kugellager für die Uhren hergestellt.