Die Anfänge der Schweizer Uhrenproduktion
Die ersten Länder, die Uhren entwickelten, waren Italien, Deutschland, Frankreich, England und die Niederlande. Uhren erfüllten lange Zeit vorwiegend zwei Funktionen: als Luxusgüter für wohlhabende Monarchen und andere Adelige, oder als präzise Navigationsinstrumente für die Seefahrt. Da die Schweiz weder über einen mächtigen Adel verfügte noch eine Seefahrernation war, stieg sie mit etwas Verspätung in die Uhrenherstellung ein.
Die Anfänge der Schweizer Uhrenproduktion
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts begann in Genf die Uhrenherstellung zu florieren. Genf war bereits vor seinem Beitritt zur Schweizerischen Eidgenossenschaft im Jahre 1815 ein Zentrum für Design und Marketing.
Ausgebildet wurden viele Schweizer Uhrmacher im Ausland. Der bekannteste unter ihnen war Abraham-Louis Breguet (1747-1823). Er wurde in Neuenburg (Schweiz) geboren, machte seine Ausbildung in Versailles, lebte längere Zeit in London und liess sich schliesslich in Paris nieder.
Breguet wird manchmal als ‚grösster Uhrmacher aller Zeiten' beschrieben. Er erfand und entwickelte eine Reihe wichtiger Innovationen wie z.B. den Tourbillon (ein Gerät, das ein von der Schwerkraft unabhängiges, reibungsloses Funktionieren der Triebräder ermöglicht) und entickelte die sich selbst aufziehbare Uhr (‚montre à secousses'). Die Idee zu dieser Uhr stammt wiederum von einem anderen Schweizer, Abraham-Louis Perrelet (1729-1826).
Entwicklung der Uhrenindustrie
Die Genfer Uhrmacher waren nicht nur sehr innovativ, was die Entwicklung von Uhren-Modellen betraf, sie waren auch geschickte Händler, die sich auf ein solides Bankensystem stützen konnten. Die Uhrenindustrie war deshalb von Anfang an exportorientiert. Die Uhrenhändler bereisten die Länder, in welche die Uhren verkauft wurden und konnten so die Uhrenindustrie über die Bedürfnisse und den Geschmack anderer Länder informieren.
In ihren Anfängen kopierten die Schweizer Uhrmacher vorwiegend französische und englische Modelle. Dank ihrer - im Vergleich zu anderen Ländern effizienten - Produktionsmethoden konnten sie so eine Art billiger Raubkopien herstellen. Als sich die Schweizer Uhrenindustrie etabliert hatte, wurde mit der Kreation eigener Modelle begonnen.
Die Einzelteile wurden in privaten Haushalten oder kleinen Werkstätten in den Dörfern rund um Genf gefertigt. Für die definitive Zusammensetzung wurden die Teile an die Uhrmacher in Genf geliefert.
Uhren als Schmuckstücke
Lange Zeit waren die Uhren keine einfachen Gegenstände, wie wir sie heute kennen. Sie wurden auch nicht am Arm (Armbanduhren wurden erst im 20. Jahrhundert beliebt), sondern an Ketten, in Hosen- oder Brusttaschen und an Gürteln getragen. Oft waren sie mehr Schmuckstück als Zeitmesser.
Die Genfer Handwerker legten grossen Wert auf die Verzierungen ihrer Produkte. So wurde die Technik, Malereien mit einer Schicht transparenten Emails zu überziehen, 1760 in Genf entwickelt und auch in der Uhrenproduktion angewandt.
Weiter profitierte die Uhrenindustrie von den Fertigkeiten der Automatenindustrie resp. den Mechanismen, die lebendige Figuren imitierten. In ihrer einfachsten Form konnte dies eine Figur sein, welche mit den Armen auf die Zeit zeigte, komplexere Mechanismen ermöglichten die Animation ganzer Szenen. Später wurden die Bewegungen zusätzlich mit Ton untermalt: zuerst waren dies einfache Glockenklänge, später kamen ganze Melodien hinzu, wie man sie in Musikautomaten verwendete.
„Sie sind viel begabter als wir, und es gibt keine Kirche (in der Region Basel), die nicht über eine ausgezeichnete Uhr oder Sonnenuhr verfügen würde." Wer jedoch nicht eingeweiht war, konnte sich nicht unbedingt auf diese Uhren verlassen: „Die Uhr (in Basel) geht eine Stunde nach. Wenn es zehn schlägt ist es erst neun Uhr; sie erklären dies damit, dass sie ein solcher Fehler einmal vor einem Angriff bewahrt hat."
Michel de Montaigne (1533 - 1592), Reisejournal. Der französische Schriftsteller durchquerte auf seinem Weg nach Italien 1580-1581 die Schweiz.


