Offizielles Schweizer Informationsportal

Your Gateway to Switzerland

Förderung durch Privatinitiativen

MOB Panoramazug bei Rougemont, Kanton Waadt (in neuem Fenster)

MOB Panoramazug bei Rougemont, Kanton Waadt© swiss-image.ch

Bernina Express der Rhätischen Bahn auf einem Viadukt (in neuem Fenster)

Bernina Express der Rhätischen Bahn.© swiss-image.ch

Zahnradbahn der Furka-Oberalp in der Schöllenenschlucht (in neuem Fenster)

Zug der privaten Furka-Oberalp Bahn (FO) in der Schöllenenschlucht zwischen Andermatt und Göschenen.© swiss-image.ch

Trotz der Gründung der Schweizerischen Bundesbahnen vor über 100 Jahren gibt es in der Schweiz noch immer viele Privatbahnen. 13% aller Zugreisenden werden von 46 privaten Bahngesellschaften befördert. Die Privatbahnen unterhalten ein Streckennetz von 2'000 km Länge mit über 1000 Haltestellen oder Bahnhöfen.

Die Privatbahnen betreiben sowohl Schmal- als auch Normalspurlinien, die meisten fahren auf herkömmlichen Trassen, einige legen jedoch auch einen Teil ihrer Strecke auf Tramschienen zurück.

Die längste Strecke unterhält die Rhätische Bahn (RhB) im Kanton Graubünden. Die wohl bekanntesten Orte, die sie bedient, sind St. Moritz, Klosters und Davos. Auf einer Strecke von 315 km fährt die RhB durch das Vorderrhein- und Inntal und sogar über die Grenze bis nach Tirano in Italien.

Die für den Transitverkehr wichtigste Privatbahn ist die Bern-Lötschberg-Simplon Bahn (BLS). Sie verbindet das Berner Oberland mit dem Rhonetal und betreibt damit einen wichtigen Teil einer Hauptroute nach Mailand.

Einige Linien sind dagegen sehr kurz. Die kürzeste (4 km) verbindet Orbe mit Chavornay im Südjura. Diese Strecke wurde 1894 gebaut und ist wohl auch die älteste Normalspurbahn in der Schweiz.

Die Gründe für den Bau der verschiedenen Bahnlinien waren sehr unterschiedlich. Einige wurden als Touristenattraktionen gebaut, andere hatten und haben die Funktion, abgelegene Orte mit den Hauptlinien zu verbinden. Auch militärische Gründe sind zu finden: Die Strecke Bière-Apples-Morges wurde speziell für die Verschiebung von Truppen und Armeematerial gebaut. Und zu guter Letzt bauten die Einwohner im Vallée de Joux eine Bahn, um Eis aus gefrorenen Seen zu transportieren - manchmal gar bis nach Paris.

MOB - Montreux Oberland Bahn

Die MOB, die 1912 ihren Betrieb aufnahm, ist eine Schmalspurbahn. Sie war die erste Bergbahn, die mit Strom betrieben wurde. Es ist beinahe einem Zufall zu verdanken, dass auch Gstaad an der MOB liegt. Ursprünglich war vorgesehen gewesen, Gstaad einer anderen Linie anzuschliessen, die dann nie gebaut wurde. Dank dem Einsatz eines lokalen Behördenvertreters wurde Gstaad schliesslich doch an die MOB angeschlossen. Dass Gstaad erst im letzten Moment an die MOB-Linie angeschlossen wurde, erkennt man deutlich daran, dass die Strecke kurz vor Gstaad ziemlich abrupt abzweigt.

BLS - Bern-Lötschberg-Simplon

Die Linie zwischen Spiez und Brig, die den Anschluss an den Simplontunnel sicherstellt und dadurch die Schweiz mit Italien verbindet, wurde 1913 eröffnet. Sowohl der Kanton Bern als auch die französische Regierung unterstützten den Bau dieser Bahnlinie. Bern hatte seine Bedeutung als Durchgangskanton für den Alpentransit verloren, nachdem 1882 der Gotthardtunnel eröffnet worden und die Strecke Basel-Chiasso zur Hauptverbindung für den Transitverkehr geworden war. Frankreich war an einem Anschluss an den Simplontunnel interessiert, da es 1870 mit dem Verlust des Elsass' an Deutschland auch den direkten Zugang zur Gotthardroute verloren hatte.

Der Bau des Lötschbergtunnels war kompliziert und forderte viele Opfer. So starben im Jahre 1908 25 Mineuere, als während Bohrarbeiten Wasser- und Sedimentgestein in den Tunnelstollen einbrachen. Die Lötschberglinie wurde von Beginn weg mit Strom betrieben und bis 1992 war die Strecke nur einspurig befahrbar. Seit 1950 befördert die BLS auch Personenwagen durch den Lötschbergtunnel.

Die Rhätische Bahn - RhB

Die RhB ist bekannt für ihre Tunnel und Viadukte. Sie ruht sich jedoch nicht einfach auf dem Erfolg früherer Bauwerke aus, sondern bleibt weiterhin aktiv: so wurde 1999 die 20 km lange Vereinalinie eröffnet, die den Weg zwischen Chur und Scuol massiv verkürzt. 19 km dieser Linie führen durch den Vereinatunnel, den wahrscheinlich längsten Schmalspur-Eisenbahntunnel der Welt. Durch den Vereinatunnel werden neben den Bahn- auch Autoreisende (es wird ein Autoverlad angeboten) befördert.

FO - Furka Oberalp Bahn

Die Furka Oberalp Bahn wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut. Sie führt - im Gegensatz zu den meisten Alpenstrecken - von Westen nach Osten und nicht von Norden nach Süden. Bezahlt wurde der Bau von französischen Investoren und die Arbeiter stammten aus Italien. Der erste Streckenteil zwischen Brig und Gletsch im Rhonetal (Kanton Wallis) wurde 1914 feierlich eröffnet. Mit dem Ausbruch des ersten Weltkriegs versiegten die Finanzquellen und die Arbeiter mussten in den Krieg ziehen.

Kantonale und Bundesbehörden entschlossen sich, eine neue Gesellschaft zu gründen und den Bau fortzusetzen. 1926 erreichte die FO-Linie Disentis im Kanton Graubünden. Im Winter konnte die Strecke jedoch nicht betrieben werden, da der 2'160m hohe Furkapass nicht überquert werden konnte. Während acht Monaten musste die Bahn auf drei separaten Teilstrecken betrieben werden: von Brig nach Oberwald (Kanton Wallis), von Sedrun nach Disentis (Kanton Graubünden) und von Göschenen nach Andermatt (Kanton Uri). Erst seit der Eröffnung des 15 km langen Furkatunnels ist das gesamte Streckennetz ohne Unterbruch befahrbar.

Auch die alte Zahnradstrecke ist dank einiger Enthusiasten noch in Betrieb. Seit dem Sommer 2000 werden Dampffahrten auf die Furka angeboten. Bis es jedoch so weit war, mussten einige Anstrengungen unternommen werden: So mussten einige Lokomotiven aus Vietnam zurückgeholt werden, wohin sie nach der Elektrifizierung der Strecke verkauft worden waren.