Rollende Landstrasse
Verspätungen, Luftverschmutzung, Unfälle … Wieso fahren die Lastwagen noch immer durch die Schweiz? Die geografische Lage der Schweiz im Herzen Europas macht das Alpenland zum klassischen Transitland, obwohl der Strassenbau durch die Berge sehr limitiert wird.
Die Schweiz hat viel Arbeit, Geld und Kraft investiert, um den Transitverkehr von den Strassen auf die Schienen zu verlagern. Im Jahr 2007 beispielsweise passierten 64% der Güter die Schweizer Alpen per Bahn – eine beeindruckende Zahl im Vergleich zu Frankreich und Österreich, wo die Mehrheit des Güterverkehrs noch immer über die Strasse rollte."
Die "Rollende Landstrasse" ist die logische Konsequenz dieser Politik. Auf einer Linie von Freiburg in Süddeutschland bis Novara in Italien fahren die Lastwagen auf Schienen durch Europa, ohne dabei einmal die Räder auf Strassen zu setzen.
Bevor dieses System 2001 eingeführt werden konnte, bedurfte es Anpassungen im Lötschberg- und Simplontunnel: Brücken mussten verbreitert und Gleise tiefer gelegt werden. Die rollende Landstrasse kann von Lastwagen mit einer Höhe von bis zu 4 Metern, einer Breite von bis zu 2,5 Metern und einem Gewicht von bis zu 44 Tonnen genutzt werden. Manchmal ist es gar notwendig, die Luft aus den Reifen zu lassen, damit die Lastwagen auch wirklich durch den Tunnel passen.
Zeit sparen
Die Kapazitäten der rollenden Landstrasse wurden ständig ausgebaut. Im Jahre 2003 nutzten 105'000 Lastwagen diese Transitart. Mit der Öffnung des Lötschberg-Basistunnels 2007 stieg die Zahl der Lastwagen auf 350'000.
Die Fahrt von Freiburg nach Novara dauert ungefähr acht bis neun Stunden. Der grösste Teil der Züge verkehrt nachts, so dass die Lastwagenchauffeure im Schlafwaggon nächtigen können. Diese Kombination ist sehr lukrativ: Der Huckepack-Zug ist die schnellste Art in den Süden (oder in den Norden) zu reisen und bei Ankunft müssen die Chauffeure sich nicht erst ausruhen, sondern können ihre Arbeit direkt fortsetzen. Sogar bei den Zollformalitäten sparen die Fernfahrer Zeit ein, denn die Fahrt geht von einem EU-Land ins nächste. Die Lastwagenchauffeure brauchen also nicht mehr an den Schweizer Zollübergängen Schlange zu stehen.
