Auslandschweizer
Die Schweiz blickt auf eine lange Emigrationsgeschichte zurück. Gerade Menschen aus Randregionen hatten oft kein Auskommen und versuchten ihr Glück im Ausland. Die ersten Schweizer, die ihre Fähigkeiten zur Schokoladeproduktion ins Ausland mitnahmen, stammten aus dem Tessin und dem Graubünden. Diese Gebiete pflegten enge Kontakte zum benachbarten Italien, das im 18. Jhd. die beste Schokolade herstellte.
Schokoladeproduzenten aus Graubünden
Zu den ersten Schokoladepionieren gehörten die Brüder Josty aus dem Bündnerland. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts eröffneten sie in Berlin ihr Schokoladegeschäft, das wegen seiner erstklassigen Schokolade bald grosse Berühmtheit erlangte. Auch die Schriftsteller Heinrich Heine und Theodor Fontane erwähnten die Konditorei Josty mit Begeisterung. Im frühen 20. Jahrhundert wurde das Geschäft der Jostys zum Treffpunkt für Politiker, Künstler und Schriftsteller. Erich Kästner beispielsweise schrieb seinen Kinderroman "Emil und die Detektive" auf der Terrasse der Konditorei Josty.
Andere Confiseure aus dem Bündnerland wanderten nach Russland aus. Der berühmte Dichter Alexander Puschkin trank 1837 vor dem Duell, das ihn das Leben kostete, eine Tasse Schokolade im Café Chinois der Bündner Salomon Wolf und Tobias Béranger in St. Petersburg.
Auch nach Skandinavien wanderten Konditore aus dem Bündnerland aus. 1862 eröffneten die Brüder Cloetta ihre erste Schokoladefabrik in Kopenhagen. Später errichteten sie weitere Geschäfte in Schweden und Norwegen. Mit Karl Fazer eröffnete 1891 ein weiterer Schweizer die erste Konditorei in Helsinki. Heute dominiert die Marke Cloetta-Fazer - die beiden Unternehmen fusionierten im Jahr 2000 - den skandinavischen Markt und ist auch in Russland, Polen und dem Baltikum bestens bekannt.
Schokolade aus dem Tessin
Emigranten aus dem Tessiner Bleniotal eröffneten Geschäfte in Italien, Deutschland und den Niederlanden. Auch in London hatten sie mit ihren Produkten, die sie in verschiedenen Cafés und Restaurants anboten, grossen Erfolg.
Schweizer Wurzeln
Wenn es ein Land gibt, das sich in Sachen Schokolade mit der Schweiz messen kann, dann ist es Belgien. Doch auch die belgische Schokolade besitzt Schweizer Wurzeln. 1857 liess sich der Neuenburger Jean Neuhaus in Brüssel nieder und eröffnete eine Apotheke. Er produzierte zunächst Hustenbonbons und Liqueur-Stäbchen gegen Magenprobleme.
Jeans Sohn Frédéric überredete schliesslich seinen Vater, ins Konditoreifach zu wechseln. Frédérics Sohn wiederum erfand 1912 die mundgerechte Schokolade, die er Praline nannte, und experimentierte mit verschiedenen Füllungen zur Verfeinerung und Bereicherung dieser Schokoladestückchen. Die Firma Neuhaus gehört bis heute zu Belgiens führenden Schokoladeherstellern.

