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Alpkäse und Brauchtum

Direktverkauf von Käse im Käsekeller, Wanderer beim Käsekauf (in neuem Fenster)

Der Direktverkauf ab Hof oder Alp hat sich auch beim Käse als beliebte Form der Vermarktung eingebürgert.© swissworld.org

Tafel-Malerei einer Alpaufzugszene an einem Stall in Freiburg (in neuem Fenster)

Die grossen bäuerlichen Gemälde des Alpaufzugs, genannt "Poyas", finden sich an vielen Ställen in Freiburg.© swissworld.org

Alpabzug im Herbst mit Schafbock und Ehringer Kühen (in neuem Fenster)

Alpabzug im Herbst in Grimentz, Kanton Wallis© swissworld.org

Zwei Ehringer Kühe beim Kuhkampf auf der Weide (in neuem Fenster)

Zwei Ehringer Kühe kämpfen um die Rangordnung.© Chablais Tourism

Senn mit Käselaib beim Chästeilet im Justistal (in neuem Fenster)

Senn mit Käselaib beim Chästeilet im Justistal© swissworld.org

Kühe und Käseherstellung haben das Schweizer Brauchtum nachhaltig geprägt. Wenn beispielsweise die Kühe für den Sommer auf die Alpweiden geführt werden, ist dies in vielen Regionen mit einer feierlichen Zeremonie verbunden. Vor diesem so genannten Alpaufzug werden die Kühe oftmals mit Blumen geschmückt. In einigen Bauernhäusern im Greyerzerland (Kanton Freiburg) hängen an den Wänden Fotos von derart geschmückten Kühen.

Im Kanton Wallis bestimmen die Kühe der Eringer-Rasse, die mehr als andere den Instinkt für die hierarchische Rangordnung behalten haben, jeweils in spontanen Kämpfen, wer die Leitkuh der Herde ist. Neben diesen spontanen Kämpfen werden auch Wettbewerbe organisiert, in denen die regionalen Königinnen und schliesslich die kantonale Königin ermittelt werden. Diese Kuhkämpfe locken jeweils Tausende von Schaulustigen an.

Alpsommer

Das Sömmern der Kühe ist ein alter Brauch. Normalerweise sind die Sennen oder Sennerinnen während des Sommers auf der Alp für das Vieh verschiedener Bauern verantwortlich. Ihre Aufgabe besteht darin, das Vieh auf die Weiden zu treiben, zweimal täglich zu melken und zu käsen. Ende September kehren Kühe und Sennen wieder ins Tal zurück.

Die Arbeit auf der Alp ist hart und schlecht bezahlt. Während vier Monaten werden rund vierzehn Stunden täglich gearbeitet. Freie Tage gibt es praktisch keine. Auch an den Wochenenden müssen die Kühe gemolken und die Milch zu Käse verarbeitet werden. Je nach Funktion erhalten die Sennen 70 bis 150 Franken pro Tag, was im besten Fall etwa 75% eines durchschnittlichen Schweizer Monatslohns entspricht.

Für verschiedene Stadtbewohner ist jedoch der Traum von frischer Luft, reiner Bergwelt und Abstand vom städtischen Alltagsstress stärker als der schlechte Lohn. So kommt es vor, dass mitunter Juristen, Lehrerinnen, Ärzte, Künstlerinnen den Sommer über Vieh hüten. Wer eine Alp führen will, muss einen speziellen Kurs absolvieren und bereits eine Saison als Hirt auf einer Alp verbracht haben. Viele Aussteigewillige bewältigen das harte Leben auf der Alp, einige stellen jedoch bereits nach kurzer Zeit fest, dass ihre Vorstellung von der heilen Alpwelt sehr weit von der Realität entfernt ist und geben auf.

Chästeilet

Im Kanton Bern wird das Ende der Zeit auf der Sommerweide mit der so genannten "Chästeilet" gefeiert. Ende September wird im Justistal über dem Thunersee der Käse, der im Sommer auf der Alp hergestellt wurde, unter den Besitzern der Kühe aufgeteilt. Da nicht alle Laibe von gleicher Qualität sind, entscheidet das Los, welcher Laib an wen geht. Aufgeteilt wird der Käse im Verhältnis zur Milch, welche die Kühe der jeweiligen Besitzer während des Sommers produziert haben.

Musik

Die Kunst des Jodelns, die viele Menschen mit dem Leben auf der Alp assoziieren, ist wohl bekannt. Ein anderer Brauch ist das Singen von so genannten Kuhreigen. Mit diesen Liedern haben die Sennen resp. Hirten jeweils die Kühe zusammengetrieben. Der bekannteste Kuhreigen ist die Version aus dem Greyerzerland. Dieser "Ranz des vaches" hat die Bedeutung einer inoffiziellen Hymne der französischsprachigen Schweiz.

Diese "Hymne" ist derart aufwühlend, dass es Schweizer Söldnern, die in der französischen Armee dienten, verboten war, sie zu singen: Sie konnte nämlich ein derartiges Heimweh auslösen, dass einige Söldner desertierten. Aber nicht nur die Söldner beeindruckte dieses Lied: Auch grosse Komponisten wie Beethoven, Berlioz und Rossini gefiel der "Ranz des vaches" so gut, dass sie ihn in ihre Werke einflochten.