Offizielles Schweizer Informationsportal

Offizielles Schweizer Informationsportal

Your Gateway to Switzerland

Gekrönter Schweinemist - SwissFarmerPower

SwissFarmerPower - Biogasanlage (in neuem Fenster)

SwissFarmerPower - Biogasanlage in Inwil, Kanton Luzern.© SFP Inwil

Anlieferung von Trockenmaterial (in neuem Fenster)

Mit grossen Baggern wird das Trockenmaterial umgelagert und seinem Bestimmungsort, dem Schredder, zugeführt. © SFP Inwil

Anlieferung flüssiger Materialien (in neuem Fenster)

In grossen Lastwagentanks werden Gülle und andere flüssige Materialien angeliefert. © SFP Inwil

Aufbereitungsanlage (in neuem Fenster)

In dieser Anlage werden die gewonnenen Gase zu Biogas aufbereitet, das später in die Erdgasleitung der Region geleitet wird. © SFP Inwil

In der grünen Kuppel wird das Biogas zwischengelagert. (in neuem Fenster)

In der grünen Kuppel wird das Biogas zwischengelagert. © SFP Inwil

(in neuem Fenster)

Schweizer Energiepreis Watt d'Or 2010. © Swiss Federal Office of Energy SFOE

Laute, stinkende Lastwagen beförderten Tonnen von Schweinemist von Luzern in weiter enfernte Ackerbaugebiete der Schweiz. Ein Umstand, der zu denken gab und findige Bauern auf den Plan rief: Eine AG wurde gegründet und eine Biogasanlage gebaut. Gekrönt wurden die Bemühungen 2010 mit dem Watt d’Or, dem Schweizer Energiepreis in der Kategorie „Erneuerbare Energie“.

2006 stank es den Bauern und im Kanton Luzern zum Himmel. Über 425‘000 Schweine produzierten viel Mist, zu viel für den Luzerner Boden. Die Gewässer litten an dem Übermass an Jauche und Mist, die Anwohnerinnen und Anwohner an den Emissionen. Güllelöcher und Misthaufen quollen über. Was nicht mehr auf den Feldern Platz fand, schickte man in weiter enfernte Ackerbaugebiete der Schweiz. Der Misttourismus war geboren. Wie für jede andere Reise auch, mussten die Bauern zahlen (bis zu 50 Rappen pro Kilometer und Tonne), worüber sie die Nase rümpften. Doch wohin mit der grossen Menge Biomüll?

Geeinte Bauernkraft gegen Überdüngung

Mit der Biogasanlage in Inwil bewiesen die Landwirte der Region Mut. Gemeinsam mit verschiedenen Partnern (Erdgaszentralschweiz AG oder Energie Wasser Luzern ewl) gründeten sie die SwissFarmerPower Inwil AG, damals die grösste Biogasanlage der Schweiz mit Pioniercharakter: 2008 war sie die einzige Anlage, die Trocken- und Nassvergärung kombinierte. Das bedeutet, dass sowohl feste wie flüssige biogene Abfälle wie Grüngut, Mist und Gülle in Biogas umgewandelt werden. Das Biogas wird ins regionale Erdgasnetz eingespeist und an den Tankstellen von Energie Wasser Luzern verkauft. Zurückbleibt jede Menge Kompostmaterial.

Vom Schweinemist zu Biogas

In Inwil werden biogene Abfälle in Biogas umgewandelt. Dieses dient Erdgasfahrzeugen als CO2-neutraler Treibstoff. Vom einfachen Grüngut, über Kaffeesatz, Schweinemist bis hin zu flüssigen Stoffen wie Gülle, Öle aus der Lebensmittelindustrie und Zuckerwasser aus der Milchproduktion verarbeitet die Anlage.

Die Trockenvergärung
Nach Sortier- und Zerkleinerungsschritten gelangen die Abfälle in den Trockenfermenter. Der riesige Behälter ist stets zu zwei Dritteln gefüllt. Eine Welle rührt das Material bei konstant 55 Grad gemächlich durch. Drei Wochen nimmt dieser Vorgang in Anspruch, bei welchem Rohbiogas entsteht. Dieses Gemisch setzt sich ungefähr aus 60% Methan und 40% CO2 zusammen.

Die Nassvergärung
Auch bei diesem Gärungsvorgang gelangen die Flüssigabfälle in einen riesigen Tank. Bei 38 Grad und während 15 bis 20 Tage wird die biogene Masse durchgemischt. Das Resultat ist ebenfalls Rohbiogas.
Das Biogas wird anschliessend in grünen Kuppeln gesammelt.

Die Anlage produziert bei Vollauslastung 18 Gigawattstunden Energie in Form von Biogas pro Jahr. Das Biogas wird zu Erdgas aufbereitet und steht beispielsweise bei den Tankstellen der Energie Wasser Luzern als Treibstoff für Erdgasfahrzeuge zur Verfügung. Dieses Erdgas reicht für rund 2000 Erdgasfahrzeugen, die je 12‘000 km pro Jahr zurücklegen. Dies entspricht einem Ersatz von rund 2 Millionen Litern Benzin, wodurch 4‘000 Tonnen CO2 eingespart werden.

Schweizer Energiepreis - Watt d’Or 2010

Mit dem Watt d’Or 2010 wurde nicht nur die damals grösste Biogasanlage der Schweiz ausgezeichnet. Der Preis belohnt auch die 72 Landwirte, die gemeinsam mit anderen Investoren Mut zeigten, neue Wege zu beschreiten. Sie setzen auf Biogas, den Rolls Royce der erneuerbaren Energien, um dem Übermass an Gülle und Mist Herr zu werden.

Externe Links