Das Kehrfahrzeug CityCat H2 oder Sauberkeit hoch zwei
Vor kurzem wurde in den Strassen von Basel in der Nordwestschweiz ein kleines, einzigartiges Kehrfahrzeug in einem mehrmonatigen Pilotversuch getestet. Neben seiner Hauptfunktion, nämlich die Trottoirränder zu bürsten, den Schmutz auszukehren und aufzusaugen und die Ränder abzuspritzen, weist dieses kleine Wunderwerk der Technik noch eine Besonderheit auf: es wird ausschliesslich mit Wasserstoff betrieben, produziert keinerlei umweltschädliche Abgase und ist erst noch wesentlich geräuscharmer als seine Schwestern mit Dieselmotor. Das sind Pluspunkte, die gerade bei einem Fahrzeug geschätzt werden, das in sensiblen Bereichen wie Fussgängerzonen, Bahnhöfen oder Ausstellungshallen zum Einsatz kommt.
Wasserstoff: ein Stoff für die Zukunft
Kernstück des Antriebs dieses Kehrfahrzeugs mit Namen CityCat H2 bildet eine Brennstoffzelle. Sie ermöglicht die Erzeugung von Elektrizität durch eine chemische Reaktion zwischen Wasserstoff und dem Sauerstoff in der Luft. Das grosse Plus dieses Antriebssystems: es entstehen keinerlei umweltschädliche Abgase, denn aus dem Auspufftopf entweicht nur Wasserdampf als Produkt der chemischen Reaktion zwischen Wasserstoff und Sauerstoff.
Brennstoffzellen sind eine sehr viel versprechende Antriebstechnologie, und zwar weil sie signifikante Energieverbrauchs- und CO2-Reduktionspotentiale aufweisen. Dies macht sie zu einer höchst interessanten Alternative zu herkömmlichen, mit fossilen Treibstoffen betriebenen Motoren, deren schädliche Auswirkungen auf das Klima heute bekannt sind.
Public-Private Partnership
Die Entwicklung eines leistungsfähigen Antriebssystems stellt jedoch in technischer Hinsicht eine grosse Herausforderung dar, vor allem wenn es um die Deckung des Energiebedarfs von Fahrzeugen aus der Serienproduktion geht. Nach dreijährigen Forschungsarbeiten sind die Ingenieure vom Projektteam „hy.muve“ (für „hydrogen-driven municipal vehicle“, also „Kommunalfahrzeug mit Wasserstoffantrieb“) jedoch auf bestem Weg, diese Barriere zu überwinden. Das Projekt wird von zwei der renommiertesten Forschungsinstituten der Schweiz gemeinsam durchgeführt: der EMPA und dem Paul Scherrer Institut. Beteiligt sind auch mehrere Partner aus der Privatwirtschaft, unter anderem ein Kehrmaschinenhersteller, die Firma Bucher Schörling.
Vom Labor auf die Strasse
Heute ist die Erzeugung und Lagerung von Wasserstoff noch relativ kostspielig. Deshalb ist die Automobilindustrie auch mit Investitionen in die Brennstofftechnologie bislang eher zurückhaltend. Als Begründung dient dabei die zu geringe Rentabilität.
Das Projektteam von hy.muve ist fest entschlossen, dieses Argument vom Tisch oder vielmehr von der Strasse zu wischen und die Wasserstofftechnologie langfristig vom Labor auf die Strasse zu bringen.
In einem Pilotversuch in Basel im Herbst 2009 konnte das Fahrzeug erstmals im praktischen Betrieb unter realen Einsatzbedingungen getestet werden. Was den Energieverbrauch und die Effizienz des Kehrfahrzeuges betrifft, fiel dieser erste Versuch viel versprechend aus. Nicht zu verkennen sind hingegen noch einige Kinderkrankheiten bezüglich der Konzeption der Brennstoffzelle und ihres Verhaltens bei tieferen Aussentemperaturen eines Schweizer Winters. Für eine Serienproduktion ist es noch zu früh.
Das Projektteam arbeitet jedoch mit Hochdruck daran, diese Schwächen zu beheben; das CityCat H2-Kehrfahrzeug sollte demnach bald wieder in den Strassen der Rheinmetropole und anderen Schweizer Städten auftauchen.
Externe Links
- Hydrogen driven municipal vehicle EMPA
- Forschungsbereich Energie Paul Scherrer Institut (in Englisch)
- Brennstoffzellen Bundesamt für Energie


