Erinnerung an historische Ereignisse
Es gibt in der Schweiz verschiedene Bräuche, die an historische Ereignisse erinnern. Einer der Bekanntesten ist die so genannte Escalade in Genf. Mit der Escalade feiern die Genferinnen und Genfer jedes Jahr an dem Wochenende, das der Nacht vom 11. auf den 12. Dezember am nächsten ist, den Sieg ihrer Stadt über die römisch-katholischen Soldaten des Herzogs von Savoyen im Jahr 1602.Eine wichtige Figur der Escalade ist die Mère Royaume, die gemäss Legende während der nächtlichen Schlacht einen Topf mit heisser Suppe über die Savoyer-Soldaten ausgeschüttet haben soll. In Erinnerung an diese Tat gehören ein mit Marzipangemüse gefüllter Schokoladentopf und Gemüsesuppe zum Fest. Der Schokoladentopf wird jeweils feierlich mit den Worten: „So kommen die Feinde der Republik ums Leben" zerschlagen.
Erinnerungen an entscheidende Schlachten
Die meisten wichtigsten Schlachten, die zur Unabhängigkeit der Mitglieder der frühen Eidgenossenschaft beigetragen haben, werden feierlich begangen.
In den Kantonen Schwyz und Zug wird jedes Jahr am 15. November mit einem Umzug und einer Ansprache der Schlacht von Morgarten (1315) gedacht.
An die Schlacht von Sempach, die 1386 in der gleichnamigen Stadt in der Nähe von Luzern ausgefochten wurde, wird jeweils Anfang Juli erinnert. Zu diesem Zweck marschieren Soldaten in historischen Uniformen von der Stadt auf das ehemalige Schlachtfeld.
Im Kanton Glarus ist der Jahrestag der Schlacht bei Näfels (1388) ein Feiertag. Zum Gedenken an die Gefallenen dieser Schlacht marschiert jeweils am ersten Donnerstag im April die Glarner Bevölkerung zum Schlachtdenkmal. Dabei wird sie von einer Harmoniemusik, den Tambouren, dem Kantonalgesangsverein, einer militärischen Formation, Vertretern der Regierung, der Kirche und Ehrengästen begleitet. Während diese Marsches finden verschiedene Zeremonien statt. Bei einer dieser Zeremonien werden die Namen aller Gefallenen feierlich vorgelesen.
Die Hirsebreifahrt
Zur Erinnerung an den Versuch der Zürcher, im Jahr 1576 Strassburg von einer gegenseitigen Allianz zu überzeugen, findet seit 1976 alle zehn Jahr die so genannte Hirsebreifahrt von Zürich nach Strassburg statt.
Zum Beweis, dass die beiden Städte nur eine Tagesreise voneinander entfernt liegen fuhren sie an einem frühen Morgen mit einem Topf heissen Hirsebreis in Zürich los und erreichten via Limmat und Rhein am Abend Strassburg. Die Legende besagt sogar, dass der Brei bei der Ankunft in Strassburg noch immer so heiss war, dass man sich beim Essen die Lippen verbrennen konnte.
Heute dauert die Fahrt wegen der verschiedenen Dämme und Wehre, die in den vergangenen 400 Jahren gebaut worden sind, etwas länger.
Die Hirsebreifahrt wird heute von der Zunft der Schiffleute und verschiedenen privaten Organisationen durchgeführt.
Das Unspunnenfest
Das Unspunnenfest wurde 1805 eingeführt mit dem Ziel, lokale Alpenbräuche zu fördern und die Bevölkerung des Berner Oberlands mit der Stadtberner Herrschaft zu versöhnen: während der Helvetischen Republik (1798-1803) war das Berner Oberland nämlich ein eigenständiger Kanton gewesen und die Oberländer Bevölkerung unglücklich über die erneute Unterstellung unter die Berner Herrschaft nach dem Ende der Helvetischen Republik.
Den Namen hat das Fest vom Schloss Unspunnen in der Nähe von Interlaken, wo das erste Fest stattfand. Diese Veranstaltung wurde zu einem grossen Erfolg: neben Tausenden von ‚gewöhnlichen' Menschen wohnten auch Adlige aus ganz Europa den Wettkämpfen im Schwingen und Steinstossen sowie den Jodel- und Alphorndarbietungen bei.
Bereits 1808 wurde das zweite Unspunnenfest durchgeführt, das dritte dann jedoch erst 1905, also 100 Jahre nach dem ersten Fest. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts findet das Unspunnenfest ungefähr alle zwölf Jahre statt. Die 200-Jahr-Feier 2005 musste wegen der prekären Hochwasser-Situation in vielen Teilen der Schweiz (auch am Austragungsort) auf das Jahr 2006 verschoben werden.
Das Unspunnenfest hat sich über die Jahre gewandelt. Heute bilden z. B. die Trachten einen wichtigen Teil der Feierlichkeiten. Die Höhepunkte sind jedoch gleich geblieben: das Schwingen und das Stossen des berühmten, 83.5 kg schweren Unspunnensteins.


