Bräuche im Winter
In der Schweiz gibt es eine grosse Vielfalt an Bräuchen, die während der Wintermonate gefeiert werden.
Trychle in Meiringen
Am Weihnachtstag um Mitternacht, also am 26. Dezember, kommen jüngere, mit Viehschellen umgürtete Männer in Meiringen und anderen Dörfern des bernischen Haslitales auf dem Dorfplatz zusammen. Bis zum Silvester ziehen die "Trychler" (Scheller) jeden Abend um.
Dreikönigssingen, Sternsingen
Das Stern- und Dreikönigssingen, das zwischen dem vierten Advent und dem Dreikönigstag (6. Januar) Brauch ist, lässt sich bis zu mittelalterlichen Spielen zurückverfolgen. Die Sternsinger, häufig als Drei Könige verkleidete Kinder oder ein Chor mit dem Stern, singen auf Plätzen oder gehen von Haus zu Haus und symbolisieren damit die Zusammengehörigkeit aller Gemeindeglieder.
In Luzern und Wettingen, Kanton Aargau, wird am Sonntag vor Weihnachten ein Sternsingerspiel aufgeführt.
Silvesterkläuse
Im Appenzeller Hinterland wird zweimal Silvester gefeiert: am 31. Dezember und am 13. Januar. Diese Verwirrung geht auf den Kalenderstreit des 16. Jahrhunderts zurück. Wer wie die Appenzeller Hinterländer den Gregorianischen Kalender nicht annehmen wollte, feierte den letzten Tag im Jahr nach wie vor am 13. Januar.
Am "neuen" und am "alten" Silvester gehen die Silvesterkläuse (Männer, die entweder in Tachten, Masken mit riesigen kunstvollen Hüten oder dicht mit Tannenzweigen dekorierten Gewändern verkleidet sind) von Haus zu Haus.
Die Kläuse melden sich mit Schellengerassel an, singen einen hinter den Masken seltsam verzerrten mehrstimmigen Naturjodel und wünschen den vor die Türe getretenen Hausbewohnern Glück zum neuen Jahr. Zum Dank erhalten die Silvesterkläuse Getränke.
Vogel Gryff in Basel
Der Vogel-Gryff-Brauch wird in Kleinbasel gefeiert. Kleinbasel liegt am rechten Rheinufer und rivalisiert traditionellerweise mit dem reicheren Stadtteil am linken Rheinufer. Die Feierlichkeiten finden in einem Dreijahreszyklus jeweils am 13., 20. oder 27. Januar statt.
Die drei Wappentiere "Vogel Gryff" (Greif), der "Wild Maa" (Wilder Mann) und der "Leu" (Löwe) tanzen in den Strassen der Stadt. Begleitet werden sie von Trommlern, drei Fahnenträgern und vier "Uelis" (Spassmachern), welche Geld für das "arme" Kleinbasel sammeln.
Obwohl der Brauch "Vogel Gryff" genannt wird, beginnt er jeweils mit dem Auftritt des Wilden Mannes, der auf einem Floss, das aus zwei zusammen gebundenen Booten besteht, den Rhein hinuntergeschwommen kommt. Dabei wendet er dem linken Ufer den Rücken zu, um die Abneigung der Kleinbaslerinnen und Kleinbasler gegen den reichen Stadtteil zu demonstrieren.
Schlittéda
Die traditionellen Schlittenfahrten der ledigen Jugend gehören zu den Winterfreuden der Engadiner und ihrer Gäste. Auch wenn der Ursprung der Schlittéda nicht bekannt ist, weisen die zum Teil über zweihundert Jahre alten Pferdeschlitten in Familienbesitz auf eine alte Tradition.



