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Kultur

Die Schweiz und ihre Hymnen

Mit der Entwicklung der modernen Nationalstaaten Ende des 18. Jahrhunderts erwachte das Bedürfnis nach staatlichen Symbolen: Flaggen und Wappen dienten fortan der optischen, Nationalhymnen der akustischen Repräsentation der einzelnen Staaten.

Da nur sehr wenige Länder über so etwas wie eine Nationalhymne verfügten, mussten solche erst geschaffen werden. In vielen Ländern wurden alte Volkslieder zu Nationalhymnen umgeschrieben, in anderen neue Lieder verfasst, was zum Teil in grosser Eile geschah. So stellte beispielsweise die Regierung von Costa Rica drei Tage vor einem diplomatischen Empfang fest, dass das Land keine Hymne hatte.

Deshalb beauftragte sie einen jungen Komponisten, schnellstens eine Hymne zu schreiben, die dann am bevorstehenden Empfang auch als solche gespielt wurde und bis heute Gültigkeit hat.

Die Schweiz liess sich etwas mehr Zeit mit ihrer Hymne: von der Entstehung ihrer aktuellen Hymne im Jahre 1841 bis zu deren definitiver Einführung dauerte es nämlich 140 Jahre.

"Trittst im Morgenrot daher...."

Wie bereits angedeutet tut sich die Schweiz schwer mit ihrer Landeshymne. Gemäss einer Umfrage, welche die "Coopzeitung" im Jahr 2000 durchführte, ist kaum jemand des ganzen Textes mächtig. Vor allem bei den jungen SchweizerInnen sieht es diesbezüglich düster aus: nur gerade ein Prozent der 15-29-Jährigen behauptet, alle Strophen ihrer Landeshymne auswendig zu kennen.

Die heute aktuelle Hymne, der so genannte Schweizerpsalm, wurde bereits 1843 uraufgeführt und bald einmal an verschiedenen patriotisch motivierten Feiern gespielt. Zwischen 1894 und 1953 kam es immer wieder zu Vorstössen, die den Bundesrat, die Schweizer Regierung, dazu aufforderten, diesen Psalm offiziell zur gültigen Nationalhymne zu erklären. Der Bundesrat sah jedoch zu wenig Akzeptanz in der Bevölkerung und vertrat die Ansicht, eine Hymne 'müsse vom Volk durch den regelmässigen Gebrauch frei gewählt' werden.

"Rufst Du mein Vaterland"

Als Repräsentationsgesang für politische und militärische Anlässe gab es das populäre und ziemlich blutrünstige Lied "Rufst Du mein Vaterland", das auf der gleichen Melodie beruhte wie die Hymne Grossbritanniens. Mit der Zunahme der internationalen Kontakte im 20. Jahrhundert führte dies jedoch zu peinlichen Situationen, wenn sowohl die schweizerische als auch die britische Hymne gespielt wurde.

Deshalb beschloss der Bundesrat 1961 die provisorische Einführung der neuen Nationalhymne. 1979 wurde ein Hymnen-Wettbewerb durchgeführt. Da sich unter den vielen eingesandten Vorschlägen jedoch keine überzeugende Alternative zum Schweizerpsalm befand, sah sich der Bundesrat gezwungen, diesen am 1. April 1981 definitiv zur schweizerischen Landeshymne zu erklären.

Die Suche nach einer neuen Hymne

Bis heute ist kaum jemand restlos von dieser Komposition überzeugt. Der Text gilt als schwülstig und zu pathetisch. Die Melodie ist zwar weniger umstritten, wird jedoch oft als zu wenig enthusiastisch empfunden. Es sind denn auch bis heute verschiedene Anläufe unternommen worden, die jetzige Hymne durch eine neue zu ersetzen.

"Mit aller Kraft will ich dem Lande nützen...."

Angeregt durch den Ideen-Wettbewerb von 1979 beschloss der musikalische Autodidakt und Unternehmensberater Christian D. Jakob, eine Landeshymne zu schreiben. Sein musikalisches Talent sowie seine Kenntnisse der Schweizer Geschichte ebneten ihm den Weg zur Umsetzung dieser Idee. Jakob komponierte nicht nur die Melodie, sondern schrieb auch den Text (in deutscher Sprache), der sich auf den Bundesbrief von 1291 bezieht.

Erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde dieser jüngste Hymnen-Versuch im Oktober 1998 am 110-Jahr-Jubiläum des Unternehmens Villiger und Söhne (Sponsoren der Hymne). Die schlichte, pathetisch ansteigende Melodie im 4/4 Takt fand im Publikum grossen Gefallen. Beim Text, der sich auf eine Strophe beschränkt, gingen die Meinungen schon eher auseinander. Bereits der erste Satz "Mit aller Kraft will ich dem Lande nützen, vor keinen fremden Rechten je gebeugt" gab zu vielfältigen Diskussionen Anlass. Als problematisch gilt vor allem die Formulierung der "fremden Rechte", welche die Frage aufwirft, ob deren Ablehnung mit einem künftigen UNO- oder gar EU-Beitritt vereinbar wäre.

Anfang 2006 wurde das 'Aktionskomitee Schweizer Nationalhymne' gegründet. Dieses Komitee verfolgte das Ziel, bis zur Fussball-Europameisterschaft 2008 einen Hymnentext zu finden, "den alle mitsingen können". Wegen mangelnder politischer Unterstützung wurde das Projekt jedoch bereits einige Monate später zurückgezogen.

 

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